Veranstaltungsbericht
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KEIN GELD OHNE SCHULDEN

Hören Sie hier einen 5-minütigen Beitrag über diese Veranstaltung, produziert und gesendet von Deutschlandradio.

 

Kein Geld ohne Schulden: Mit dem Titel seiner Veranstaltung spielte Professor Michael Vogel weniger auf die finanzielle Situation vieler Menschen an, als auf die Funktionsweise unseres Geldsystems. Denn Geld entsteht fast nur durch neue Schulden.

Auf zunächst ungläubiges Staunen stießen die Ausführungen von Herrn Vogel, dass Banken beim Vergeben von Krediten nicht etwa das einbezahlte Geld von Kontoinhabern weiterverleihen, sondern dass jeder Bankkredit tatsächlich neues Geld schafft, das vorher nicht da war. Um das zu untermauern, zeigte Herr Vogel ein Diagramm, in dem die Entwicklung der Euro-Geldmenge der Entwicklung der Schulden in Euro gegenüberstand, mit nahezu perfekter Übereinstimmung.

Paralles Wachstum von Geldvermögen und Schulden

Paralles Wachstum von Geldvermögen und Schulden (Quelle: H. Cretz/Bundesbank)

Neu war den 15 anwesenden Studentinnen und Studenten der Uni der Straße auch, dass wir zwei ganz unterschiedliche Arten von Geld haben (Zentralbankgeld und Giralgeld) und dass das Geld auf dem Girokonto kein gesetzliches Zahlungsmittel ist, obwohl es beim Geldabheben in solches umgetauscht wird. Der Spruch „Nur Bares ist Wahres“ weist darauf hin, dass nur Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel ist.

In einem lebhaften, zwischen Einzelerfahrungen und Theorie hin- und herspringenden Austausch streiften wir Themen wie die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, Vertrauen als Voraussetzung für Geld, die Schuldensituation in Griechenland, den Ablauf eines Bankensturms (bank run) und Vollgeld als Alternative zum Schuldgeld.

Die Veranstaltung wie geplant nach einer Stunde zu beenden, war keine Option. Auch nachdem Herr Vogel nach zwei Stunden die Diskussion in ein Fazit überführt hatte, waren einige Teilnehmer nicht zu bremsen und setzten ihre angeregten Gespräche vor der Tür des Café Papagei fort. In 13 Jahren als Wirtschaftsprofessor hatte Herr Vogel nach eigenem Bekunden nie  ein solch aufgewecktes, aktives Publikum bei einem eigentlich abstrakten Veranstaltungsthema erlebt.

Text: Katrin Suhr
Beitragsbild: Wolfgang Baumbast/flickr.com

 

Ankündigung der Veranstaltung

Kein Geld ohne Schulden. Der Umgang mit Geld ist uns völlig selbstverständlich, egal ob wir welches besitzen oder nicht. Deshalb haben wir es verlernt, Fragen über unser Geld zu stellen. Dabei funktioniert das Geldsystem anders, als es die meisten Menschen vermuten. In dieser Veranstaltung der Uni der Straße beschäftigen wir uns mit drei merkwürdigen Eigenschaften unseres Geldes: 1. Banken schaffen Geld aus dem Nichts. 2. Jedem Geld stehen Schulden in gleicher Höhe gegenüber. 3. Geld hat Wert, solange wir daran glauben. Diese drei Eigenschaften haben weitreichende Konsequenzen. Einige schauen wir uns anhand der aktuellen Geldpolitik und Wirtschaftslage an.

Michael Vogel ist seit 2003 Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Bremerhaven. Als Lernprojekt für Studierende initiierte er 2009 die Zeitschrift der Straße, die er seither ehrenamtlich leitet. Vor seinem Wechsel an die Hochschule war Vogel in der Unternehmensberatung und für den TUI-Konzern in Hamburg, Hannover, London und Paris tätig.

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