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INSPIRATIONEN ZUR UNI DER STRASSE

Die Uni der Straße ist zwar aus der Arbeit, den Erfahrungen und dem Netzwerk der Zeitschrift der Straße heraus entstanden. Aber die wesentlichen Inspirationen lieferten bestehende Bildungsinitiativen ähnlicher Art in Nürnberg, Graz und Berlin.

Straßenkreuzer Uni in Nürnberg

Das Nürnberger Straßenmagazin ist der „Straßenkreuzer„, der bereits 1994 gegründet wurde und heute elf Ausgaben pro Jahr mit einer Auflage von 12.000-18.000 herausbringt. Zum Vergleich: die Zeitschrift der Straße in Bremen erscheint zehnmal pro Jahr mit aktuell je 10.000-12.000 Heften.

Im Sommer 2010 ging die „Straßenkreuzer Uni“ mit 11 Veranstaltungen an den Start, die von insgesamt 428 Teilnehmer*innen besucht wurden. 285 von ihnen kamen aus Einrichtungen der Obdachlosenhilfe. In den zwölf Semestern bis zum Sommer 2016 wurden 4.500 Teilnahmen an den Veranstaltungen der „Straßenkreuzer Uni“ verzeichnet.

Ihre Veranstaltungen gliedern sich in drei Themengebiete, die für jedes Semester neu festgelegt werden. In der Vergangenheit konnte das dreiköpfige Organisationsteam besonders hochkarätige Referent*innen gewinnen, darunter Bundes- und Landesminister, Abgeordnete, Vorstandsmitglieder großer Unternehmen und aus dem Fernsehen bekannte Fachleute.

Die Organisatorinnen der „Straßenkreuzer Uni“ haben das Team der Uni der Straße in der Aufbauphase kräftig mit Knowhow unterstützt. Beteiligte Studentinnen der Hochschule Bremerhaven reisten zweimal mit ihren Professoren nach Nürnberg und lernten dort aus erster Hand, was solch ein Bildungsprogramm zu leisten in der Lage ist und wo typische Probleme lauern.

MegaphonUni in Graz

Wie die Nürnberger „Straßenkreuzer Uni“ uns als Inspiration dient, so diente die Grazer „MegaphonUni“ den Nürnbergern als Vorbild. „Megaphon“ ist das älteste österreichische Straßenmagazin. Es wurde 1995 gegründet und erscheint in einer monatlichen Auflage von 15.000 Heften, die in Graz und anderen Städten in der Steiermark verkauft werden.

Die „MegaphonUni“ gibt es seit 2004. In den ersten zehn Jahren ihres Bestehens verzeichneten ihre Veranstalter 4.100 Teilnahmen von 1.300 unterschiedlichen Teilnehmer*innen an 321 Veranstaltungen.

Ein Blick auf die Veranstaltungsprogramme der „MegaphonUni“ lässt eine größere Nähe zur Hochschulwelt vermuten, als dies bei der „Straßenkreuzer Uni“ der Fall ist. Fast alle Referent*innen haben Doktortitel oder sind sogar Professor*innen. Aus anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens finden sich nur wenige Vertreter*innen im Veranstaltungsverzeichnis.

Obdachlosen Uni in Berlin

Ein ganz anderes Konzept als die beiden ersten Bildungsprogramme verfolgt die Berliner „Obdachosen Uni“ . Sie ist kein Ableger eines Straßenmagazins, sondern eine Form des sozialen Engagement eines alternativen Sightseeing-Anbieters, den „BerlinPiloten„.

Bei der „Obdachlosen Uni“ wird ein Teil der Veranstaltungen von den Betroffenen selbst durchgeführt, die dadurch an Selbstbewusstsein gewinnen und ein Gefühl des Gebraucht-Werdens entwickeln sollen. Deshalb bezeichnet sich die „Obdachlosen Uni“ auch als „mobile Bildungseinrichtung von und für Obdachlose, Wohnungslose, Menschen mit Armutserfahrungen und deren Sympathisanten.“

Die meisten Veranstaltungen der „Obdachlosen Uni“ sind praktischer Art, wie Malen, Handarbeiten, Musizieren, Kochen, Laufen und Theaterspielen. Aber auch ein Philososophie-Kurs (Anthropologie: Was ist der Mensch?) und ein Bibelgesprächskreis werden angeboten.

Weitere Impulsgeber

Viele alternative, selbstorganisierte und radikal gegen den Strich bürstende Bildungsprogramme enthalten Elemente, die inspirieren und sich auch für die Uni der Straße eignen könnten. Die heutige Form der Uni der Straße muss nicht so bleiben. Deshalb behalten wir einige interessante Angebote als Impulsgeber im Blick, darunter z.B.

Möchten Sie uns ein weiteres aufregend anderes Bildungsprogramm für Erwachsene zur näheren Betrachtung empfehlen? Dann schreiben Sie an Michael Vogel unter mvogel(ät)zeitschrift-der-strasse.de.

Text und Bild: Michael Vogel

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