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„GRÜSS GOTT!“ – „MACH ICH, WENN ICH IHN SEH“

Im Rahmen des Themenblocks „Ein Bad erfrischt, eine Diskussion verjüngt“ trafen wir uns zu einem Religionsgespräch mit Pastor Jürgen Mann, der unter anderem auch der Seelsorger des Vereins für die Innere Mission ist. Dabei war interessant, wie unterschiedlich die Teilnehmer waren und daher auch die Überlegungen, die im gemeinsamen Miteinander entstanden.

Eingeleitet wurde das Gespräch, indem jeder von uns sich eines der ausgelegten Bilder aussuchen sollte, um hinterher zu erklären warum gerade dieses Motiv ausgewählt wurde. Wie z.B. die Abbildung eines großen leeren Raumes, in dem sich nur ein einzelner Stuhl befindet. Was verbinden wir mit diesem Bild, was löst es in uns aus?

Damit stiegen wir auch schon ein in eine angeregte Debatte über die persönliche Vorstellung von Gott und Religion, aber auch über die Emotionen, die dieses Thema in uns auslöst. Überraschend war, dass es trotz der vielen verschiedenen Meinungen immer Parallelen gab zwischen dem Empfinden von „Göttlichkeit“  oder auch von „Vertrauen“.

Text: Miriam Woznica

WEIHNACHTSFEIER DER UNI DER STRASSE AM 15. DEZEMBER 2016

Zu dieser besinnlichen Zeit im Jahr, finden es nicht alle so wunderbar, deswegen wollen wir mit Euch machen, eine riesige Party und lassen es krachen! Naja, eigentlich eine gemütliche Runde mit Kuchen & Punsch zu späterer Stunde. Ihr müsst nur von der Couch Euch erheben, einen guten Film wird es nämlich auch geben! Wir laden Euch herzlich dazu ein und freu´n uns auf Euch, schaut gerne rein!

Am 15. Dezember von 17 bis ca 19 Uhr im Café Papagei!

AUF EIN NEUES!

Die Uni der Straße (UdS) startet ins Wintersemester. Vorab sprachen wir mit Cory Patterson, dem Koordinator dieses besonderen Bildungsangebots.

 

Im Sommer ging die UdS mit einem Probesemester an den Start. Was lief besonders gut?

Sehr gut angenommen wurden die Workshops, allen voran „Trommeln für den Widerstand“ mit einer Action-Samba-Gruppe, die auf Demonstrationen spielt. Die haben die Instrumente und Kommandozeichen erklärt, und dann haben die Teilnehmer einen einfachen Rhythmus einstudiert, den sie mit der Sambagruppe am Ende des Workshops auch draußen auf der Straße gespielt haben. Das hat echt Spaß gemacht! Toll angenommen wurde auch die „Einführung ins Darstellende Spiel“ mit einer Lehrerin, mit der wir praktische Übungen gemacht und Dialoge einstudiert haben. Das kam so gut an, dass wir in diesem Semester erneut „Darstellendes Spiel“ anbieten.

Wo gab es Probleme?

Einige Veranstaltungen waren schwach besucht, weil die Themen für die Hauptzielgruppe offenbar nicht interessant waren. Deshalb haben wir uns während der Semesterplanung mit den Gästen des Wohnungslosentreffs Café Papagei zusammengesetzt und gefragt: Was interessiert euch, welche Veranstaltungen wünscht ihr euch? Da kamen viele Ideen zusammen. Wir können nicht alles davon umsetzen, aber einiges haben wir aufgreifen können. Diese Runden Tische wollen wir beibehalten. Denn einer unserer Grundsätze ist ja Teilhabe – das gilt in alle Richtungen. Bei der Uni der Straße machen Studierende mit, professionelle Dozenten und Wohnungslose oder Leute mit wenig Geld: als Teilnehmer, aber nicht nur, sondern auch bei der Planung.

Was werden Sie anders machen als bisher?

Im Sommersemester haben wir die Veranstaltungen bewusst kurz gehalten, etwa eine Stunde. Bei Vorträgen mit anschließender Diskussion passt das auch. Aber zu den Workshops bekamen wir viele Rückmeldungen, dass eine Stunde zu kurz sei. Daraus haben wir gelernt: Wenn die Leute aktiv bei etwas mitmachen, dann ist ihre Aufmerksamkeitspanne viel größer. Das haben wir in der Planung des neuen Semesters auch berücksichtigt.

Jetzt beginnt das neue Semester. Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte?

Das Veranstaltungsprogramm für Winter 2016/2017 ist da!

Wir haben mehrere thematische Säulen, es wird um Gewaltfreiheit gehen, um soziale Teilhabe und um Ernährung. Wir werden beispielsweise gemeinsam den Film „Hass“ anschauen, in dem es um Gewalt in den Vororten von Paris geht. Und am nächsten Abend sprechen wir gemeinsam über den Film, der ziemlich brutal ist. Eine Woche danach machen wir einen Workshop zu Deeskalation, und dann gibt es noch eine Veranstaltung zu gewaltfreier Kommunikation. Für den Themenblock Armut haben wir unter anderem eine Rechtsanwältin der Erwerbslosenhilfe eingeladen. Sie wird mit den Teilnehmern durchsprechen, welche Pflichten und welche Rechte sie im Umgang mit dem Jobcenter haben und welche bürokratischen Fallstricke es zu beachten gilt. Außerdem haben wir von vielen Gästen im Café Papagei gehört, dass sie Probleme haben, mit dem wenigen Geld, das sie haben, hauszuhalten und sich dennoch gesund zu ernähren. Dazu werden wir einen Workshop anbieten: Wie kann ich mich mit wenig Geld gesund ernähren?

Gibt es eine Veranstaltung, auf die Sie sich ganz besonders freuen?

Im Dezember gibt es eine Diskussionsrunde mit Pastor Jürgen Mann, dem Seelsorger der Inneren Mission. Er wird mit den Teilnehmern über Gott, Glaube und Religion sprechen. Auf dieses Thema sind wir durch einen Zufall gekommen, als ich mich im Café Papagei zu einigen Gästen gesetzt und sie mit „Grüß Gott“ begrüßt habe. „Mach ich, wenn ich ihn sehe“, hat einer geantwortet. Und dann entbrannte eine schöne Diskussion über Religion, wie unlogisch das doch sei und solche Dinge. Darüber habe ich mit Jürgen Mann gesprochen, und er war gleich dabei: Die Diskussion greifen wir wieder auf! Er möchte einen Impuls geben und dann offen und gern auch kontrovers diskutieren.

Wäre eine stärkere Durchmischung des Publikums wünschenswert?

Im Probesemester kamen überwiegend Gäste aus dem Café Papagei. Es wäre schön, wenn noch mehr ganz normale Angestellte die Veranstaltungen besuchen würden, damit man miteinander ins Gespräch kommen und Vorurteile abbauen kann. Von beiden Seiten übrigens. Damit die Leute sehen: Die sind ja gar nicht alle stinkbesoffen! Oder andersherum: Die sind ja gar nicht arrogant und gucken auf mich herab. Die Uni der Straße soll da eine kleine Brücke bauen. Dafür wollen wir stärker werben: Die Uni der Straße ist nicht nur für Wohnungslose da. Daher auch der neue Slogan: Uni der Straße – für alle, ohne Grenzen. Bei uns brauchst du kein Abitur, kein Geld, aber du musst auch nicht arm oder obdachlos sein. Du kannst auch gern kommen, wenn du als Chirurg in der Parkallee wohnst.

 

Text: Philipp Jarke
Quelle: Die Zeitschrift der Straße #43, November 2016, S. 28-29
Illustration: Michael Vogel

EINE FEIER ZUM SEMESTERABSCHLUSS

Die Uni der Straße hat ihr „nulltes“ Semester abgeschlossen und das Semesterende mit einer kleinen Feier gekrönt. Eingeladen waren alle TeilnehmerInnen, DozentInnen und OrganisatorInnen. Koordinator Cory und zehn Studentinnen der Hochschule Bremerhaven und der Universität Bremen, die auch das Programm des Sommersemesters gestaltet hatten, richteten die Feier aus.

Das studentische Team der Hochschule Bremerhaven

Das studentische Team der Hochschule Bremerhaven (Foto: M. Vogel)

Es gab kurze Ansprachen, jammige Live-Musik und ein Buffet. Vor allem erhielten alle TeilnehmerInnen der Uni der Straße, die mindestens drei Veranstaltungen im Sommersemester besucht hatten, ein Zertifikat und viel Applaus.

Coole Jam Session als Begleitprogramm der Feier

Coole Jam Session als Begleitprogramm der Feier (Foto: M. Vogel)

Ein weiterer Höhepunkt war sicher das Anschneiden von Corys selbstgebackenem Schoko-Kuchen mit dem grünen Logo der Uni der Straße.

Cory mit seinem Schoko-Kuchen im Design der Uni der Straße

Cory mit seinem Schoko-Kuchen im Design der Uni der Straße (Foto: M. Vogel)

Nach der Sommerpause freut sich das Team der Uni der Straße auf viele alte und neue TeilnehmerInnen, auf die dann ein noch umfangreicheres und mindestens so abwechslungsreiches Bildungsprogramm wartet wie das des abgeschlossenen Sommersemesters.

TROMMELN FÜR DEN WIDERSTAND

Laut auf Missstände und Ungerechtigkeiten aufmerksam machen! Heiße Rhythmen und starke Beats! Geil in einer Gruppe voll motivierter Musiker und Widerstandskämpfer aufdrehen und gehört werden! Musik machen, wie sie weltweit auf Demos gehört wird! – das haben wir uns erhofft, als die Uni der Straße zum Workshop „Trommeln für den Widerstand – Rythms of Resistance“ einlud. Und das haben wir auch bekommen.

Doch der Anfang war erst einmal leise: Die Veranstaltung begann mit einer Einführung in die Zeichensprache der Samba-Aktionstrommler. Jedes Instrument und jeder musikalische Wechsel wird durch eine Geste repräsentiert. Damit ist es möglich, auch eine große Trommelgruppe zu dirigieren, ohne herumzubrüllen oder das Trommeln zu unterbrechen. „Wenn alles laut ist, kann ich nicht gegen alle anschreien, darum haben wir diese Zeichensprache. Die ist auch überall gleich, wenn wir uns nun also alle treffen, dann weiß jeder Bescheid.“

Wenn sie sich alle treffen? Ja. Zu manchen Anässen schließen sich mehrere Gruppen zusammen. Dann spielt Oldenburg mit Bremen. Oder man trifft sich auf internationaler Ebene und dann spielt man mit Tel Aviv oder London. Und wer leitet dann die Band? Das ist egal. Jeder in der Gruppe könnte das. Es gibt keine festen AnführerInnen, das ist eine der Besonderheiten an Rythms of Resistance.

Nachdem alle Instrumente und ihre Handzeichen erklärt wurden, durften wir uns aussuchen, was wir spielen wollten. Zaghaft wurden die kleinen Tambourins verteilt, aber auch ein paar Kenner und Mutige waren in der Gruppe, die keine Angst davor hatten, wirklich laut zu sein und sich die großen Trommeln, die Solos, schnappten. Vorsichtig wurden die Felle ausprobiert und angespielt. Als alle zufrieden mit ihrer Wahl waren, wurden wir in in eine lose Formation gestellt; alle mit den gleichen Instrumenten nebeneinander in einem großen Kreis.

Die Zeichenstrache wird erklärt

Die Zeichensprache wird erklärt

Jetzt fehlte nur noch eins zum Loslegen: der Takt! Damit den keiner vergisst oder verliert, haben wir angefangen auf der Stelle zu marschieren. Und wer hätte es für möglich gehalten, dass eine Gruppe von 13 Fremden so schnell einen Takt finden kann? Aber es hat funktioniert und das Trommeln konnte losgehen. Jedes Instrument hat seinen eigenen Rhythmus bekommen, und selbst einzeln haben sie sich schon toll angehört. Aber als dann das Handzeichen „Alle zusammen!“ kam, konnten wir unseren Ohren nicht trauen. Keine 15 Minuten waren vergangen und wir haben uns schon wie eine Samba-Band angehört!

Weitere Handzeichen wurden eingeführt und erklärt. Pausen, Breaks und unterschiedliche Lautstärken, mit denen wir unser Trommeln variieren und verbessern können. Genial angeleitet waren wir nicht nur einfach laut am Lärmen; wir schafften es auch, einen energetischen Rhythmus durchzuhalten, der wahnsinnig viel Spaß beim Spielen machte und den man bis auf die Straße hören konnte.

Und da sind wir am Ende auch gelandet. Rythms of Resistance ist auf der Straße zuhause, da war es klar, dass wir bei der Uni der Straße auch vor die Tür gehen und richtig laut aufdrehen mussten. Neugierige Passanten und begeisterte Zuschauer hörten uns zu, und keiner hätte gedacht, dass wir zum ersten Mal spielen!

Unser erster öffentlicher Auftritt!

Unser erster öffentlicher Auftritt!

Danke an Rythms of Resistance für einen super Nachmittag, der Laut und voll heißer Trommeln war. So unmissverständlich wurden wir noch nie gehört!

Text: Katrin Suhr
Fotos: Cory Patterson

Symbolbild evidenzbasierte Medizin

EVIDENZBASIERTE MEDIZIN

Was bedeutet evidenzbasiert und welche Rolle spielt dies in der Medizin? Dieser Frage wurde gemeinsam mit Guido Schmiemann, Hausarzt und Dozent an der Universität Bremen, nachgegangen. Am Anfang hatte wohl jeder ein großes Fragezeichen über dem Kopf stehen, denn evidenzbasiert ist nicht unbedingt ein Begriff des täglichen Wortschatzes. Trotz des eher trocken klingenden Themas, war der Vortrag lehrreich und spannend gestaltet. Wer hätte gedacht, dass bereits im Jahre 1753 mithilfe von Orangen und Zitronen die Anfänge der evidenzbasierten Medizin gelegt wurden? Hier wurde im Rahmen einer der ersten kontrollierten klinischen Studien ein Heilmittel gegen Skorbut gesucht. Dieser Einblick in die Wissenschaft stieß auf großes Interesse bei den Teilnehmern, sodass sich nach dem Vortrag noch eine rege Diskussion entwickelte, welche sich auch auf andere medizinische Themen ausbreitete.

Text: Marie Frese
Bild: NetZer0/flickr.com

 

Ankündigung der Veranstaltung

Evidenzbasierte Medizin bedeutet so viel wie nachweisbasierte Medizin. Nachweise sind dabei Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Forschung, die helfen sollen, Fragen aus dem Alltag zu beantworten. Neben diesen Nachweisen stützt sich die evidenzbasierte Medizin außerdem auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten sowie der klinischen Erfahrung des Behandelnden. In dieser Einführung werden die Grundbegriffe der evidenzbasierten Medizin und ihre Bedeutung für die medizinische Versorgung an Beispielen vorgestellt.

PD Dr. Guido Schmiemann studierte Medizin in Göttingen und Maastricht und arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Stellvertretender Leiter der Abteilung Versorgungsforschung am Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen. Er ist zudem Facharzt für Allgemeinmedizin in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in Verden.

KEIN GELD OHNE SCHULDEN

Hören Sie hier einen 5-minütigen Beitrag über diese Veranstaltung, produziert und gesendet von Deutschlandradio.

 

Kein Geld ohne Schulden: Mit dem Titel seiner Veranstaltung spielte Professor Michael Vogel weniger auf die finanzielle Situation vieler Menschen an, als auf die Funktionsweise unseres Geldsystems. Denn Geld entsteht fast nur durch neue Schulden.

Auf zunächst ungläubiges Staunen stießen die Ausführungen von Herrn Vogel, dass Banken beim Vergeben von Krediten nicht etwa das einbezahlte Geld von Kontoinhabern weiterverleihen, sondern dass jeder Bankkredit tatsächlich neues Geld schafft, das vorher nicht da war. Um das zu untermauern, zeigte Herr Vogel ein Diagramm, in dem die Entwicklung der Euro-Geldmenge der Entwicklung der Schulden in Euro gegenüberstand, mit nahezu perfekter Übereinstimmung.

Paralles Wachstum von Geldvermögen und Schulden

Paralles Wachstum von Geldvermögen und Schulden (Quelle: H. Cretz/Bundesbank)

Neu war den 15 anwesenden Studentinnen und Studenten der Uni der Straße auch, dass wir zwei ganz unterschiedliche Arten von Geld haben (Zentralbankgeld und Giralgeld) und dass das Geld auf dem Girokonto kein gesetzliches Zahlungsmittel ist, obwohl es beim Geldabheben in solches umgetauscht wird. Der Spruch „Nur Bares ist Wahres“ weist darauf hin, dass nur Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel ist.

In einem lebhaften, zwischen Einzelerfahrungen und Theorie hin- und herspringenden Austausch streiften wir Themen wie die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, Vertrauen als Voraussetzung für Geld, die Schuldensituation in Griechenland, den Ablauf eines Bankensturms (bank run) und Vollgeld als Alternative zum Schuldgeld.

Die Veranstaltung wie geplant nach einer Stunde zu beenden, war keine Option. Auch nachdem Herr Vogel nach zwei Stunden die Diskussion in ein Fazit überführt hatte, waren einige Teilnehmer nicht zu bremsen und setzten ihre angeregten Gespräche vor der Tür des Café Papagei fort. In 13 Jahren als Wirtschaftsprofessor hatte Herr Vogel nach eigenem Bekunden nie  ein solch aufgewecktes, aktives Publikum bei einem eigentlich abstrakten Veranstaltungsthema erlebt.

Text: Katrin Suhr
Beitragsbild: Wolfgang Baumbast/flickr.com

 

Ankündigung der Veranstaltung

Kein Geld ohne Schulden. Der Umgang mit Geld ist uns völlig selbstverständlich, egal ob wir welches besitzen oder nicht. Deshalb haben wir es verlernt, Fragen über unser Geld zu stellen. Dabei funktioniert das Geldsystem anders, als es die meisten Menschen vermuten. In dieser Veranstaltung der Uni der Straße beschäftigen wir uns mit drei merkwürdigen Eigenschaften unseres Geldes: 1. Banken schaffen Geld aus dem Nichts. 2. Jedem Geld stehen Schulden in gleicher Höhe gegenüber. 3. Geld hat Wert, solange wir daran glauben. Diese drei Eigenschaften haben weitreichende Konsequenzen. Einige schauen wir uns anhand der aktuellen Geldpolitik und Wirtschaftslage an.

Michael Vogel ist seit 2003 Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Bremerhaven. Als Lernprojekt für Studierende initiierte er 2009 die Zeitschrift der Straße, die er seither ehrenamtlich leitet. Vor seinem Wechsel an die Hochschule war Vogel in der Unternehmensberatung und für den TUI-Konzern in Hamburg, Hannover, London und Paris tätig.

WEGE AUS DER SCHULDENFALLE

Der Dozent unserer ersten Veranstaltung zum Themenblock Schulden, der Bremerhavener Richer und Amtsgerichtspräsident Uwe Lissau, nahm sich eines leider immer stärker verbreiteten Problems von Privatpersonen an: Überschuldung.

Aus seiner richterlichen Praxis sind Herrn Lissau Privatinsolvenzen wohlbekannt, stellen sie doch in Bremerhaven einen der häufigsten Anlässe für Gerichtsverfahren dar. Herr Lissau erklärte anschaulich anhand vieler Beispiele das dreistufige Insolvenzverfahren für Privatpersonen und ging ausführlich auf die aufkommenden Fragen ein.

Holger, der bisher alle Veranstaltungen der Uni der Straße besucht hat und verpricht, unser „Stammhörer“ zu werden, konnte aus eigener Erfahrung viel Interessantes zum Vortrag beisteuern und trotzdem einiges Neues lernen. Bei Kaffee und Kuchen hatten wir eine sehr muntere, offene Gesprächsrunde, bei der wir viele Einzelheiten beispielweise über das Restschuldbefreiungsverfahren erfragten.

Auch nachdem die Veranstaltung nach einer Stunde beendet war und es ans Aufräumen ging, blieben Mathias und Holger noch. Es entspannn sich ein unerwartetes Gespräch um Holgers Vergangenheit auf der Straße, in die er uns Einblicke gewährte, die uns nicht nur erschaudern ließen, sondern auch sehr erstaunten.

Wieder einmal zeigte sich, dass die Uni der Straße nicht nur für’s Leben lernen lässt, sondern auch ein Begenungsort für faszinierende und nette Menschen aus den unterschiedlichsten Winkeln der Gesellschaft ist.

Wir freuen uns schon auf die nächste Veranstaltung in der folgenden Woche, wenn Hochschulprofessor Michael Vogel einen weiteren Vortrag über Geld und Schulden halten wird, damit aber eine ganz andere Seite beleuchten wird, als wir sie bereits kennen. Holger wird natürlich auch wieder dabei sein.

Text: Nina Dammann
Beitragsbild: Wolfgang Sterneck/flickr.com

 

Ankündigung der Veranstaltung

Wege aus der Schuldenfalle. In Deutschland sind ca. 3,5 Millionen Haushalte überschuldet, in Bremerhaven ist es sogar jeder fünfte. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist hier etwa viermal so hoch wie die des Bundesdurchschnitts. Diese gravierende sozialpolitische, aber auch volkswirtschaftliche Problemlage wirft vielfältige Fragen auf, die in der Veranstaltung beantwortet werden sollen: Welche Wege führen aus der Schuldenfalle? Wem stehen diese Wege offen, wer kann also ein Verbraucherinsolvenzverfahren beantragen? Wie wird ein solcher Antrag gestellt? Was ist eine außergerichtliche Schuldenbereinigung? Was ist eine Restschuldbefreiung? Wem steht das Restschuldbefreiungsverfahren offen?

Uwe Lissau ist Präsident des Amtsgerichts Bremerhaven, Mitglied des Instituts für Handelsrecht und Lehrbeauftragter der Universität Bremen und der Hochschule Bremerhaven. Als Insolvenzrichter bearbeitet er Insolvenzen jeder Größenordnung. Lissau ist Vizepräsident des Staatsgerichtshofs der Freien Hansestadt Bremen. Ehrenamtlich engagiert er sich in der Arbeiterwohlfahrt und in der Bürgerstiftung Bremerhaven.

GESUNDHEITSFÖRDERUNG IM GEFÄNGNIS

Gesundheit und Gefängnis, zwei Begriffe die im ziemlichen Gegensatz zueinanderstehen. In einem interessanten und interaktiven Vortrag erzählte uns die Dozentin Katja Thane von der Universität Bremen, warum dies der Fall ist. Denn in einer Institution, deren Ziel es ist, zu bestrafen, steht die Gesundheit leider oft an letzter Stelle. Es entstand eine rege Diskussion mit den Teilnehmern, mit welchen körperlichen und seelischen Problemen Gefängnisinsassen konfrontiert werden.

Neben einer mangelnden Gesundheitsförderung, sind oft Drogen, Gewalt, aber auch psychische Probleme ein großes Thema. Nachdem viele verschiedene Faktoren zusammengetragen wurden, befassten sich die Teilnehmer mit der Suche nach Lösungen. Wie könnte eine Gesundheitsförderung im Gefängnis aussehen? Insgesamt war die Veranstaltung sehr lebendig, denn jeder hatte Ideen oder auch Geschichten zu dem Thema beizutragen.

Text: Marie Freese
Foto: Kyle Wagaman/flickr.com

 

Ankündigung der Veranstaltung

Gesundheitsförderung und Gefängnis scheinen zunächst Widersprüche zu sein. Denn im Gefängnis soll es ja schließlich ums Strafen gehen, so denken viele. Doch Gesundheit und Krankheit sind zentrale Aspekte für alle Menschen – also auch im Gefängnis. Viele Menschen in Haft haben mit unterschiedlichen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, zum Teil hatten sie diese auch schon vor der Haft. Wie geht es damit im Gefängnis weiter? Andere Probleme entstehen erst in der Haft. Welche Auswirkungen also hat das Gefängnis auf die Gesundheit der Inhaftierten – und der Bediensteten? Und welche Möglichkeiten der Gesundheitsförderung gibt es im Strafvollzug?

Katja Thane, geboren 1974, studierte Sozialpädagogik und Kriminologie in Hamburg und promovierte an der Universität Bremen. Sie arbeitete in Hamburg in der niedrigschwelligen Drogenhilfe (Drob Inn) und am Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS). Seit 2013 lehrt und forscht sie an der Uni Bremen am Institut für Public Health und Pflegeforschung und beschäftigt sich mit den Themen Drogen und Strafvollzug.