Autor: Michael Vogel

AUF EIN NEUES!

Die Uni der Straße (UdS) startet ins Wintersemester. Vorab sprachen wir mit Cory Patterson, dem Koordinator dieses besonderen Bildungsangebots.   Im Sommer ging die UdS mit einem Probesemester an den Start. Was lief besonders gut? Sehr gut angenommen wurden die Workshops, allen voran „Trommeln für den Widerstand“ mit einer Action-Samba-Gruppe, die auf Demonstrationen spielt. Die haben die Instrumente und Kommandozeichen erklärt, und dann haben die Teilnehmer einen einfachen Rhythmus einstudiert, den sie mit der Sambagruppe am Ende des Workshops auch draußen auf der Straße gespielt haben. Das hat echt Spaß gemacht! Toll angenommen wurde auch die „Einführung ins Darstellende Spiel“ mit einer Lehrerin, mit der wir praktische Übungen gemacht und Dialoge einstudiert haben. Das kam so gut an, dass wir in diesem Semester erneut „Darstellendes Spiel“ anbieten. Wo gab es Probleme? Einige Veranstaltungen waren schwach besucht, weil die Themen für die Hauptzielgruppe offenbar nicht interessant waren. Deshalb haben wir uns während der Semesterplanung mit den Gästen des Wohnungslosentreffs Café Papagei zusammengesetzt und gefragt: Was interessiert euch, welche Veranstaltungen wünscht ihr euch? Da kamen viele Ideen …

EINE FEIER ZUM SEMESTERABSCHLUSS

Die Uni der Straße hat ihr „nulltes“ Semester abgeschlossen und das Semesterende mit einer kleinen Feier gekrönt. Eingeladen waren alle TeilnehmerInnen, DozentInnen und OrganisatorInnen. Koordinator Cory und zehn Studentinnen der Hochschule Bremerhaven und der Universität Bremen, die auch das Programm des Sommersemesters gestaltet hatten, richteten die Feier aus. Es gab kurze Ansprachen, jammige Live-Musik und ein Buffet. Vor allem erhielten alle TeilnehmerInnen der Uni der Straße, die mindestens drei Veranstaltungen im Sommersemester besucht hatten, ein Zertifikat und viel Applaus. Ein weiterer Höhepunkt war sicher das Anschneiden von Corys selbstgebackenem Scho-Kuchen mit dem grünen Logo der Uni der Straße. Nach der Sommerpause freut sich das Team der Uni der Straße auf viele alte und neue TeilnehmerInnen, auf die dann ein noch umfangreicheres und mindestens so abwechslungsreiches Bildungsprogramm wartet wie das des abgeschlossenen Sommersemesters.

TROMMELN FÜR DEN WIDERSTAND

Laut auf Missstände und Ungerechtigkeiten aufmerksam machen! Heiße Rhythmen und starke Beats! Geil in einer Gruppe voll motivierter Musiker und Widerstandskämpfer aufdrehen und gehört werden! Musik machen, wie sie weltweit auf Demos gehört wird! – das haben wir uns erhofft, als die Uni der Straße zum Workshop „Trommeln für den Widerstand – Rythms of Resistance“ einlud. Und das haben wir auch bekommen. Doch der Anfang war erst einmal leise: Die Veranstaltung begann mit einer Einführung in die Zeichensprache der Samba-Aktionstrommler. Jedes Instrument und jeder musikalische Wechsel wird durch eine Geste repräsentiert. Damit ist es möglich, auch eine große Trommelgruppe zu dirigieren, ohne herumzubrüllen oder das Trommeln zu unterbrechen. „Wenn alles laut ist, kann ich nicht gegen alle anschreien, darum haben wir diese Zeichensprache. Die ist auch überall gleich, wenn wir uns nun also alle treffen, dann weiß jeder Bescheid.“ Wenn sie sich alle treffen? Ja. Zu manchen Anässen schließen sich mehrere Gruppen zusammen. Dann spielt Oldenburg mit Bremen. Oder man trifft sich auf internationaler Ebene und dann spielt man mit Tel Aviv oder London. Und …

Symbolbild evidenzbasierte Medizin

EVIDENZBASIERTE MEDIZIN

Was bedeutet evidenzbasiert und welche Rolle spielt dies in der Medizin? Dieser Frage wurde gemeinsam mit Guido Schmiemann, Hausarzt und Dozent an der Universität Bremen, nachgegangen. Am Anfang hatte wohl jeder ein großes Fragezeichen über dem Kopf stehen, denn evidenzbasiert ist nicht unbedingt ein Begriff des täglichen Wortschatzes. Trotz des eher trocken klingenden Themas, war der Vortrag lehrreich und spannend gestaltet. Wer hätte gedacht, dass bereits im Jahre 1753 mithilfe von Orangen und Zitronen die Anfänge der evidenzbasierten Medizin gelegt wurden? Hier wurde im Rahmen einer der ersten kontrollierten klinischen Studien ein Heilmittel gegen Skorbut gesucht. Dieser Einblick in die Wissenschaft stieß auf großes Interesse bei den Teilnehmern, sodass sich nach dem Vortrag noch eine rege Diskussion entwickelte, welche sich auch auf andere medizinische Themen ausbreitete. Text: Marie Frese Bild: NetZer0/flickr.com   Ankündigung der Veranstaltung Evidenzbasierte Medizin bedeutet so viel wie nachweisbasierte Medizin. Nachweise sind dabei Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Forschung, die helfen sollen, Fragen aus dem Alltag zu beantworten. Neben diesen Nachweisen stützt sich die evidenzbasierte Medizin außerdem auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten …

KEIN GELD OHNE SCHULDEN

Hören Sie hier einen 5-minütigen Beitrag über diese Veranstaltung, produziert und gesendet von Deutschlandradio.   Kein Geld ohne Schulden: Mit dem Titel seiner Veranstaltung spielte Professor Michael Vogel weniger auf die finanzielle Situation vieler Menschen an, als auf die Funktionsweise unseres Geldsystems. Denn Geld entsteht fast nur durch neue Schulden. Auf zunächst ungläubiges Staunen stießen die Ausführungen von Herrn Vogel, dass Banken beim Vergeben von Krediten nicht etwa das einbezahlte Geld von Kontoinhabern weiterverleihen, sondern dass jeder Bankkredit tatsächlich neues Geld schafft, das vorher nicht da war. Um das zu untermauern, zeigte Herr Vogel ein Diagramm, in dem die Entwicklung der Euro-Geldmenge der Entwicklung der Schulden in Euro gegenüberstand, mit nahezu perfekter Übereinstimmung. Neu war den 15 anwesenden Studentinnen und Studenten der Uni der Straße auch, dass wir zwei ganz unterschiedliche Arten von Geld haben (Zentralbankgeld und Giralgeld) und dass das Geld auf dem Gironto kein gesetzliches Zahlungsmittel ist, obwohl es beim Geldabheben in solches umgetauscht wird. Der Spruch „Nur Bares ist Wahres“ weist darauf hin, dass nur Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel ist. In einem lebhaften, …

WEGE AUS DER SCHULDENFALLE

Der Dozent unserer ersten Veranstaltung zum Themenblock Schulden, der Bremerhavener Richer und Amtsgerichtspräsident Uwe Lissau, nahm sich eines leider immer stärker verbreiteten Problems von Privatpersonen an: Überschuldung. Aus seiner richterlichen Praxis sind Herrn Lissau Privatinsolvenzen wohlbekannt, stellen sie doch in Bremerhaven einen der häufigsten Anlässe für Gerichtsverfahren dar. Herr Lissau erklärte anschaulich anhand vieler Beispiele das dreistufige Insolvenzverfahren für Privatpersonen und ging ausführlich auf die aufkommenden Fragen ein. Holger, der bisher alle Veranstaltungen der Uni der Straße besucht hat und verpricht, unser „Stammhörer“ zu werden, konnte aus eigener Erfahrung viel Interessantes zum Vortrag beisteuern und trotzdem einiges Neues lernen. Bei Kaffee und Kuchen hatten wir eine sehr muntere, offene Gesprächsrunde, bei der wir viele Einzelheiten beispielweise über das Restschuldbefreiungsverfahren erfragten. Auch nachdem die Veranstaltung nach einer Stunde beendet war und es ans Aufräumen ging, blieben Mathias und Holger noch. Es entspannn sich ein unerwartetes Gespräch um Holgers Vergangenheit auf der Straße, in die er uns Einblicke gewährte, die uns nicht nur erschaudern ließen, sondern auch sehr erstaunten. Wieder einmal zeigte sich, dass die Uni der …

GESUNDHEITSFÖRDERUNG IM GEFÄNGNIS

Gesundheit und Gefängnis, zwei Begriffe die im ziemlichen Gegensatz zueinanderstehen. In einem interessanten und interaktiven Vortrag erzählte uns die Dozentin Katja Thane von der Universität Bremen, warum dies der Fall ist. Denn in einer Institution, deren Ziel es ist, zu bestrafen, steht die Gesundheit leider oft an letzter Stelle. Es entstand eine rege Diskussion mit den Teilnehmern, mit welchen körperlichen und seelischen Problemen Gefängnisinsassen konfrontiert werden. Neben einer mangelnden Gesundheitsförderung, sind oft Drogen, Gewalt, aber auch psychische Probleme ein großes Thema. Nachdem viele verschiedene Faktoren zusammengetragen wurden, befassten sich die Teilnehmer mit der Suche nach Lösungen. Wie könnte eine Gesundheitsförderung im Gefängnis aussehen? Insgesamt war die Veranstaltung sehr lebendig, denn jeder hatte Ideen oder auch Geschichten zu dem Thema beizutragen. Text: Marie Freese Foto: Kyle Wagaman/flickr.com   Ankündigung der Veranstaltung Gesundheitsförderung und Gefängnis scheinen zunächst Widersprüche zu sein. Denn im Gefängnis soll es ja schließlich ums Strafen gehen, so denken viele. Doch Gesundheit und Krankheit sind zentrale Aspekte für alle Menschen – also auch im Gefängnis. Viele Menschen in Haft haben mit unterschiedlichen gesundheitlichen Problemen …

SPURENSUCHE BREMEN – DAS PORTAL

Im Treffpunkt Café Papagei hat sich eine kleine Gruppe Wissbegieriger eingefunden, um das On-Portal „Spurensuche Bremen“ kennenzulernen. Dozent John Gerardu stammt ursprünglich aus den Niederlanden, war vor seiner Rente als Sozialpädagoge in der Bremischen Jugendarbeit und koordiniert nun die digitale Plattform Spurensuche-Bremen.de, sowie verschiedene andere Projekte, die in diesem Kontext entstanden sind. Die Plattform wurde als Lernprojekt ins Leben gerufen und sollte das Verständnis von Jugendlichen für eigenverantwortliches demratisches und tolerantes Verhalten in Bremen anregen. Selbstständig Spuren in Bremen zur NS-Zeit finden, recherchieren und validieren, dies sollte mithilfe der Plattform möglich werden und zu Widerstand gegen Faschismus und Antisemitismus anregen. John erzählte uns wie für diesen Zweck fast ein physischer Ordner angelegt worden wäre. Doch die Zeit verfliegt so schnell und alles ändert sich, da wäre ein Ordner gleich nach seiner Fertigstellung veraltet gewesen. So wurde das Projekt schnell digitalisiert und als interaktive Plattform angelegt, die von jedem erweitert werden kann. 2010 wurde sie freigeschaltet. Seitdem wächst der Wissensspeicher stetig, rege Diskussionen zu einzelnen Schlagwörtern lassen sich darauf verfolgen, und sogar ganze Stadtführungen kann man …

SPURENSUCHE BREMEN – DIE STADTFÜHRUNG

Trotz einiger Wolken am Himmel haben sich neun TeilnehmerInnen der Uni der Straße vor dem Café Papagei eingefunden, um mit unserem Dozenten John Gerardu Bremen und Bremens Geschichte neu zu entdecken. Erster Halt auf der Spurensuche war das Haus des Reichs, das heute von der Senatorin für Finanzen und den Finanzämtern Bremens genutzt wird (Bild oben). Vor 80 Jahren galt es als Zentrum der Plünderung von Juden. Wir bestaunten das unveränderte Dekor im Inneren und stellten unserem Dozenten erste Fragen. Was als typische Lehrer-Schüler-Situation startete, entwickelte sich bald zu einer regen Unterhaltung aller Beteiligten. Highlight der Tour war sicherlich der Bunker an der Wallanlage. Hinter Hecken und Blumen versteckt und unterirdisch ist diese Spur fast unsichtbar – „da lebt man schon so lange in Bremen und kennt doch fast nichts“. Johns Erzählungen gaben die Geschehnisse der Vergangenheit lebhaft wieder. So konnte jeder auf der Tour nachempfinden, wie sich die Menschen damals gefühlt haben müssen, die in diesem Bunker Schutz gesucht haben, aber nicht immer bekamen. Denn oft gab es zu wenig Platz, man hatte die …

DIE UNI DER STRASSE IM FERNSEHEN

Die Uni der Straße hat ihren Betrieb aufgenommen und gleich Besuch vom Fernsehen erhalten. Buten un binnen begleitete den wohnungs­losen Bücher­liebhaber Harald zu seinem ersten Uni-Seminar. Geleitet wurde es von Wohnraum-Aktivist Joachim Barloschky (Foto) und war dem Thema Widerstand gegen Wohnungs­not und Miet­erhöhungen gewidmet. Wie es sich für ein anständiges Uni-Seminar gehört, wurde ordentlich diskutiert. Der kurze Fernsehbeitrag über die Uni der Straße ist hier abrufbar. Die Teilnahme an den Veranstaltungen der Uni der Straße ist kostenlos und nach Anmeldung für jede und jeden möglich.